Presseinformation
Der Stadt Dahn - Schulstraße 29 - 66994 Dahn/Pfalz
 
Die oben festgehaltenen Worte stammen von dem 1885 geborenen Kapuzinerpater Ingbert Naab, dem seine Heimatstadt Dahn jetzt die Ausstellung
 
„Wider den Zeitgeist“
 
gewidmet hat. 
   
Die Ausstellung feierte vom 10. bis 23. Dezember in Dahn Premiere und ist derzeit als  Wanderausstellung unterwegs.
Wir bitten Sie, sich dem Leben und Werk dieses Mannes in Ihrem Medium ein wenig anzunehmen. 
 
 
 
Pater Ingbert Naab, der sich mit einem bewundernswerten Mut gegen die menschenverachtende Ideologie der Nationalsozialisten gestemmt hat, gehört zu den Großen und am Ende Vergessenen des deutschen Widerstands. Sein Werk, das in großen Teilen nichts von seiner Brisanz verloren hat, ist vielen Menschen nicht bekannt. Doch ich scheue mich nicht, Pater Ingbert Naab mit Persönlichkeiten des deutschen Widerstandes wie Dietrich Bonhoeffer, Alfred Delp, Clemens August von Gahlen, Martin Niemöller und den Geschwistern Scholl - aber auch einer Märtyrerin wie Edith Stein - in einem Atemzug zu nennen.
 
Die Stadt Dahn wird alles tun, um das Vermächtnis des mutigen Kapuzinerpaters einer breiteren Öffentlichkeit zu erschließen.
 
Stadtbürgermeister Manfred Schreiner 
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Wir wollen ein freies Deutschland, das sich in seinem Inneren reinigt, von aller Zersetzung, von jeglichem Schmutz und jeder Form der Kulturanarchie, das nach außen seine Würde zu wahren weiß, einen Hort der Gerechtigkeit und des Friedens, ein Vaterland auf das wir mit Recht stolz sein können.
                                  
                                                        Ingbert Naab
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Zeiten, in denen rechtsradikales Gedankengut wieder salonfähig zu werden scheint, gebieten es, sich der Menschen zu erinnern, die während des sogenannten Dritten Reichs den lebensbedrohlichen Mut aufbrachten, sich gegen Gewalt, Terror, Menschenverachtung, Judenhass und Rassenwahn zu stellen.

Für Dahn und das umliegende Felsenland, dem die kleine Stadt ihren Namen gab, liegt es auf der Hand, die Worte und Taten des 1885 in Dahn geborenen Kapuzinerpaters Ingbert Naab einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Mit  messerscharfem Verstand erkannte der tiefgläubige Ordensmann bereits Mitte der 20er Jahre, wie das Programm der nationalsozialistischen Arbeiterpartei zu lesen ist und was es mit sich bringen sollte. Dies ließ ihn lange vor der Machtergreifung der Nazis den Kampf gegen das menschenverachtende Gedankengut aufnehmen. Das Desinteresse und das Unvermögen seiner Mitmenschen, die Zusammenhänge zu erkennen, machten Pater Ingbert zudem auch zu einem vehementen Verfechter für eine überdurchschnittlich gute Bildung junger Menschen.

Aus seiner Feder stammen Streitschriften, wie „Ist Hitler ein Christ?“ und „Herr Hitler, wer hat Sie gewählt?“ Bevor die Nazis, auf deren Todesliste er ganz oben stand, seiner habhaft werden konnten, starb der mutige Mahner wider den Zeitgeist 1935 bei Straßburg im Exil.

So steht Pater Ingbert Naab neben anderen herausragenden Persönlichkeiten dieser Zeit, die ihren Mut zum Widerspruch, nur allzu oft mit dem Leben bezahlen mussten. Dazu  gehört, um nur einige zu nennen, der auf Anweisung Hitlers hingerichtete Theologen Dietrich Bonhoeffer, die als Jüdin in Auschwitz ermordete Philosophin und Karmeliterin Edith Stein und der Schriftsteller Jochen Klepper, der mit seiner jüdischen Frau von den Nazis in den Selbstmord getrieben wurde. Ganz sicher aber auch der enge Freund Pater Ingbert Naabs, der in Dachau ermordete Journalist Fritz Gerlich.

Wehren wir den Anfängen,

leisten wir allen körperlichen, geistigen und seelischen Gewaltanwendungen im politischen, gesellschaftlichen oder kirchlichen Bereich Widerstand. Damit all die, die das Land 1933 retten wollten, nicht umsonst gekämpft haben. 

Lilo Hagen
Journalistin

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Kaum einer hat so hellsichtig und so laut vor dem Aufstieg der Nationalsozialisten gewarnt, keiner hat den Abgrund, auf den das deutsche Volk zurannte, in solcher Deutlichkeit gesehen wie Pater Ingbert Naab. „Ist Hitler ein Christ?“ fragte er in aller Deutlichkeit, denn er sah die Grauen erregende Fratze hinter der Maske, die er dem Mann aus Braunau immer und immer wieder vom Gesicht zu reisen suchte. Naabs offener Brief mit dem Titel: „Herr Hitler, wer hat Sie gewählt?“ ging in wenigen Tagen in einer Auflage von über 20 Millionen unters Volk. Doch die Masse wollte nicht auf ihn hören,

Pater Ingbert blieb ein einsamer Rufer in der Wüste.

Der Kampf des mutigen Paters, der alles andere als streitlustig war, galt „der Zeit der zusammenbrechenden Gewissen“, dem „Verkrüppelten katholischen Fühlen“, der „Harmlosigkeit und Naivität der Gemütlichen“, der „Saumseligkeit (auch) der Priester und Theologen“. Wenn es sich um christliche Grundsätze handelte, um klare Lehren der Kirche, gab es für Pater Ingbert keinen Kompromiss, keine Ängstlichkeit und keine Rücksichtnahme auf das Gerede der Leute. 

Die Gedankengänge Hitlers nahm er ernst und dachte sie mit all ihren Folgen zu Ende. Er erkannte den unüberbrückbaren Gegensatz von Hitlers perfider Rassenlehre zu den Geboten Gottes. Das Führerprinzip der Nazis stand jedem Gerechtigkeitssinn entgegen, die Verletzung der Menschenwürde, die Abschaffung der Freiheit und die totalitäre Herrschaft durch einen Diktator gehörte zu dem in „Mein Kampf“ nachzulesenden nationalsozialistischen Programm. Die Unterdrückung Andersdenkender, die Verfolgung ethnischer und religiöser Gruppen bis hin zur Unterjochung anderer Völker war letztlich nur noch eine logische Konsequenz.

Pater Ingberts Gabe in die Zukunft zu sehen, ließ den begnadeten Journalisten in ihm zur Feder greifen und seine Feder wurde zu einem Schwert, mit dem er der gotteslästerlichen, weil menschenverachtenden, Ideologie der Nationalsozialisten den Kampf ansagte. Dass er mit wenigen Worten etwas auf den Punkt bringen konnte, wozu andere lange Sätze brauchten, kam ihm dabei sehr zugute.

Das kurze und doch so inhaltsreiche Leben Ingbert Naabs ist bei Professor Helmut Witetschek nachzulesen. Diese, die Ausstellung „Wider den Zeitgeist“ begleitende Broschüre soll lediglich die wichtigsten, weisesten und schönsten Aussagen des unvergessenen Kapuzinerpaters bewahren und einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machen.

Er war ein großartiger Mensch, der sich seiner Schwächen, gegen die er ausdrücklich ankämpfte, sehr wohl bewusst war. Doch im Vergleich zu dem, was heute als manierlich gilt, sind seine Fehler wohl kaum noch der Rede wert. Seinen Zeitgenossen blieb er als gütiger, einfühlsamer, bescheidener, aber auch als furchtloser und mutiger Mensch in Erinnerung

Natürlich war der wahrheitsgetreue Kapuzinerpater nicht allen willkommen. Er wurde von vielen bekämpft und nicht alle waren mit seiner für junge Menschen konzipierten Zeitschrift „Weg“ und ihrem Redakteur zufrieden.

Vielen schien die Pädagogik Ingbert Naabs zu gewagt, ja verwegen wenn nicht gar gefährlich.  Untergrub er doch in den Augen seiner Kritiker die Autorität der Vorgesetzten, wenn er in einer seiner Erzählungen Unarten und Charakterschwächen eines Lehrers schildert und sich dabei einer Sprache bediente, die er den jungen Menschen vom Mund ablas.

So wurde 1929 im Bayrischen Landtag Klage gegen Pater Ingbert erhoben. Der Sprecher der Sozialisten übte öffentlich Kritik über den „rohen Ton“ in der „Frohen Fahrt“, so der Titel eines Jugendmagazins des Kapuziners, und erklärte, dass dieses als Jugendlektüre ungeeignet sei.

„Die Abgeordneten haben geschwiegen, was ich ihnen ja nicht übel nehme, zumal ich meine Sache selbst verteidigen kann. "Da kommt mir gerade der Bericht aus einer der letzten Landtagssitzungen sehr gelegen. Bei dieser Sitzung haben sich hohe Abgeordnete gegenseitig beschimpft. Es sind dabei Ausdrücke gefallen wie „dreckiger Lausbub“ und andere mehr....Also heißt die Aufgabe nicht, eine unschuldige Erzählung der „Frohen Fahrt“, sondern vielmehr die Auslese unseres Volkes im Landtag vom „rohen Ton“ zu säubern“, reagiert Pater Ingbert im „Weg“ auf die Angelegenheit.

Die Pater-Ingbert-Naab-Ausstellung umfasst:

         

Sein Leben

 

Hommage an den Seelsorger und Beter

 

Sein publizistisches Werk

 

Ein interaktives Gedankenmosaik

Das Angebot der Ausstellung kann mit Workshops, Lesungen und Vorträgen erweitert werden. 
Siehe auch: Buttons und Postkarten.
 
 
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